Von wegen Stabilisierung des Rentenniveaus bis 2025

Stabilisierung des Rentenniveaus bis 2025?

Hinter einer Nebelkerze verbirgt sich handfester Betrug!

Die Deutsche Rentenversicherung meldet im Dezember 2017: Beitragssatz und Rentenniveau bleiben bis 2024 voraussichtlich unverändert.

Die Sondierer zu einer GroKo einigen sich im Januar 2018 auf das Ziel: Das Rentenniveau bleibt bis 2025 stabil.

Vor allem die SPD und die Gewerkschaftsvorstände feiern dieses Ergebnis als Erfolg. Sie feiern eine Nebelkerze.

Verzieht sich der Nebel, wird erkennbar: tatsächlich wird das Rentenniveau bis 2025 um 3,8 % weiter sinken. Der Grund liegt in der nachgelagerten Besteuerung der Renten. Bis zum Jahr 2040 wird die Besteuerung der Renten Jahr für Jahr ansteigen. Das tatsächlich verfügbare Nettoeinkommen der neu in Rente Gehenden sinkt erheblich.

In Zahlen für den Eckrentner in Steuerklasse 1 ausgedrückt:

(Um den Steuereffekt nachvollziehbar zu machen wird der Zahlbetrag der DRV nicht verändert) (1)

2017: Zahlbetrag von der Rentenversicherung:                      1.232 €

Nach Abführung der Einkommenssteuer (10,50 €):          1.221 €

2025: Zahlbetrag von der Rentenversicherung:                      1.232 €

Nach Abführung der Einkommenssteuer (36,50 €) :         1.195 €

Im Jahr 2040 wird die Rente voll versteuert. Bei dem Eckrentner wären dann 85,30 € Steuerabzug fällig. Die Rente würde auf 1.146 €, also um 75 € abgesenkt sein. Man kann auch sagen: es werden ihm Anwartschaften für 2 ½ Jahre Beitragsleistung weggenommen.

Die Grafik zeigt die Wirkung der Steuergesetze anschaulich:

Während die Nettoeinkommen der aktiv Beschäftigten steuerlich um 33 € entlastet werden (durch die Heraufsetzung des Vorsorge-Freibetrags bis 2025 auf 100 %),

sinken die Renten bis 2025 um 26 € und bis 2040 um 75 € (durch Herabsetzung des Rentenfreibetrags(*) bis 2040 auf 0 %).

Das Verhältnis der Eckrente zu dem Durchschnittseinkommen definiert das Rentenniveau.

Es macht einen gewaltigen Unterschied, ob dabei die Bruttosummen, die „Nettosummen vor Steuerabzug“ oder die „Nettosummen nach Sozialversicherungsbeiträgen und Steuern“ verglichen werden.

Letztere Größe ist die ehrlichste, weil sie ausdrückt, was an tatsächlich verfügbarem Geld rauskommt. In internationalen Vergleichen (z.B. OECD-Analysen) heißt das Verhältnis der tatsächlichen Nettogrößen „Nettoersatzquote“.

In Deutschland scheint der Begriff ein absolutes Fremdwort zu sein.

Übersetzt man diesen Begriff in konkrete Zahlen (2) wird die Entwicklung des Rentenniveaus vor und nach Steuern deutlich. Allein durch die geltenden Steuergesetze sinkt die Nettoersatzquote von 61,1 % im Jahr 2017, auf 58,8 % (2,3 Prozentpunkte = 3,8 %) im Jahr 2025 und schließlich 56,4 % (4,7 Prozentpunkte = 7,7 %) im Jahr 2040.

Das passiert unabhängig von den Dämpfungsfaktoren in der gesetzlichen Rentenformel zur Bestimmung des aktuellen Rentenwerts. Bei Berücksichtigung der Dämpfungsfaktoren droht eine Nettoersatzquote von 50 % oder noch weniger im Jahr 2040.

Wie kann es sein, dass der Bevölkerung das Absenken des Rentenniveaus um 3,8 % als Stabilisierung verkauft werden kann? Das ist nicht nur möglich, weil Menschen mit betrügerischen Absichten unterwegs sind. Es ist vor allem möglich, weil die ganze Rentengesetzgebung und Rentenrechnerei ziemlich komplex sind.

Für alle diejenigen, die sich gegen Altersarmut und für eine auskömmliche, lebensstandardsichernde Rente einsetzen, ist es wohl unabdingbar, sich genauer mit der Materie zu beschäftigen. Nur so kommen wir zu klaren, wirkungsvollen, nachvollziehbaren und gut erklärbaren Konzepten und damit Forderungen an den Gesetzgeber.

 

(*) Korrektur: hier stand vorher “Altersfreibetrag”, ein Begriff, der vor 1990 in einem anderen Zusammenhang verwendet wurde.

Anmerkungen:

(1) Zahlbetrag und Eckrente: die Eckrente bekommen Rentnerinnen und Rentner, die 45 Jahre lang das jeweilige Durchschnittseinkommen (im Jahr 2017: 37.103 €) bezogen und darauf Rentenversicherungsbeiträge entrichtet haben. Die entsprechende Eckrente betrug 2017 1.384 €, davon behält die DRV Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträte zurück (ca. 11 %) und überweist einen Betrag von 1.232 € (netto vor Steuern). Die fällige Einkommenssteuer muss dann für das zurückliegende Jahr individuell abgeführt werden.

(2) Sämtliche Zahlen sind den statistischen Veröffentlichungen der Deutschen Rentenversicherung (DRV) entnommen und die steuerlichen Berechnungen basieren auf dem aktuellen Einkommenssteuergesetz und der Einkommenssteuertabelle 2017. Ausführliche Berechnungen und Quellenangaben sind hier zu finden.

(3) Gute Erläuterungen, die helfen einen besseren Durchblick zu bekommen, befinden sich auch in dem KONTEXT-Artikel vom 24.1.18 „Rente für Fortgeschrittene“.

23 Comments

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  4. Ja und wenn ich mir dass im Koalitionsvertrag dazu ansehe, halten die doch weiter am Dreisäulenmodell fest. Es ändert sich wenig alles steht doch auf wackligen Füssen. Dieser Satz bei GMX gelesen ist doch schon Augenwischerei wenn man den neuen Beitrag heute Morgen von euch liest.
    Rentner und Familien würde am stärksten von der GroKo profitieren.

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  7. Wenn ich mir die Wahlprognosen anschaue so gäbe es bei der CDU derzeit 33 % zu bewundern und bei der SPD 18 % macht zusammen
    48 % Was will der Wähler den mehr. Selbst mit diesen Verlusten sind es doch noch genug, die sich selber eine solche Politik wählen. Man kann sich die Finger wund schreiben, man siehts, es ändert sich nichts.Klar hoffe ich noch und das meine ich als Rentner, dass die Jusos das ganze Platzen lassen.

  8. Alle plaudiere für den Grundsatz: alle Menschen wären gleich, scheinbar gibt es Menschen die sind gleicher/ einfach Anders besser als wir! Die Kriegen mehr- haben mehr- sind reicher-schöner-besser-kriegen alles umsonst- brauchen dafür keine Steuern zahlen, Menschen 1. Klasse eben.Damit müssen/sollen wir uns abfinden.
    Es wird dringend Zeit das sich dieses ändert, das es gewisse Personen-kreise gibt die sich aus einem gemeinsamen Topf einfach bereichern.Und die große Untergruppe füllt den Topf durch überhöhte Steuern und Abgaben wieder auf, damit die Reichen weiter im Wohlstand leben können.” STopt dies Unverfrorenheit” ob Politiker oder Sonstiges volk…

    1. Es ist mir leider ein Fehler bei der Darstellung zur Berchnung der Jahresdurchschnittsrente für einen Standardrenter, also 45 Jahre RV-Beitragszahlung und einem Standardjahresverdienst.
      Es müsste für das Jahr 2016 gerechnet werden:
      01.01.2016 – 30.06.2016, 6 Monate x 45 Rentenpunkte x 29,20 Euro pro Rentenpunkt = 7.884 Euro
      01.07.2016 – 31.12.2016, 6 Monate x 45 Rentenpunkte x 30,45 Euro pro Rentenpunkt = 8.222 Euro
      Gesamt 16.106 Euro zu 34.999 sind 46,02 %

  9. Betrug der Deutschen Politik ist eigentlich egal wer zur Zeit in der Suppe seinen Löffel drin hat! Betrogen werden wir von allen. Nicht nur bei der Rentenpolitik. Schaut euch das große dilemma mit dem Abgasskandal an, was da für Märchen aufgetischt werden, oder Kollege Dobring mit seiner Maut der hat noch wesentlich mehr Dreck am stecken. Komisch alle Politiker und sonstige “Besondere Personen” haben Möglichkeiten aus dem gesammten Schlamassel herauszukommen , füttern sich mit zusetzlichen Geldern (Diäten) Steuerfrei, wer weiß den sowas , was sonst noch alles steuerfrei und umsonst, was der Normalo teuer bezahlen muß über Abgaben& Steuer!

  10. Ich freue mich sehr diese Seite gefunden zu haben! Mein einsamer Beitrag nach den Sondierungen war auf FB zum Thema Rente dieser: Die gößte Enttäuschung kommt auf die Rentner zu ( nachdem Herr Schröder mit der Agenda 2010 das Rentenniveau von 68 % auf 55 bzw 52 % absenkte ) ist der neuerliche ” Erfolg” der SPD nach Sondierung, dass das Verarmungsniveau der Rente nun auf erbärmliche 48 % bis 2025 festgeschrieben wird .. wie soll man davon leben!?
    Ich hätte mir von der SPD eine Revolution in der Rentenpolitik gewünscht und das künftig ALLE in die Rentenkasse einzuzahlen haben. Nach 45 Jahren Arbeitsleben sollten 60 % die unterste Grenze sein und eine Mindestrente von 1200 € festgeschrieben werden. Warum geht das in anderen europäischen Ländern, nur im wohlhabenden Deutschland nicht?

    1. Die Durchschnittsrente vom 01.01.2016 – 31.12.2016 beträgt 46,02 %. Nachzurechnen: 6 x 29,20 € + 6 x 30,45 € = 16.006 € im Jahr 2016. Durchschnittsverdienst, nach Anl. 1 SGB VI Tabelle 34.999 €. Noch Fragen?

  11. Was mich so maßlos ärgert, ist die Tatsache, dass aus der Rentenkassen bis zum heutigen Tag über 700 Milliarden Euro für sachfremde Leisungen entnommen wurden, oder besser entwendet. Das, was als Bezuschussung der Rentenkasse deklariert wird, ist lediglich eine Rückzahlung an zuvor entnommenen Geld. Unser Geld, Geld, das wir Steuerzahler in die Rentenkassen zahlen. Das ist keine Sozialleistung vom Staat.

  12. Macht den Herren Schulz und andere SPD-Granden darauf aufmerksam, daß im Parteiprogramm dieser ehemaligen Arbeiterpartei im Kap. 3.7, im Unterkapitel “Sicher und aktiv im Alter” steht, daß die SPD die Rentenversicherung in eine Erwerbstäti9genversicherung umwandeln will!
    Laßt den Worten Taten folgen, sonst wird die nächste Wahl für euch ein Desasrter.

  13. Pingback: Von wegen Stabilisierung des Rentenniveaus bis 2025. Die Groko-Verhandler feiern eine Nebelkerze | NachDenkSeiten – Die kritische Website

    1. Seniorenaufstand ist sowas von nötig !!!
      Alle Menschen auf die Strassen und kämpfen um unsere Rechte !
      Es ist unglaublich, was man mit uns in so einem reichen Land tut ..

      Wir sollten eine richtige Partei wählen ! Eine neue Partei gründen, die uns “kleinen” Menschen hilft ..
      Das ganze Leben arbeiten und dann im Armut sterben, wollen wir nicht !
      Herr Schröder hat und betrogen und es geht weiter so !!

      Wir müssen aufwachen ..
      Ich habe Angst, was mit mir und allen anderen Menschen in Deutschland passiert ….

    2. Nicht nur die Senioren müsten den Aufstand machen, die jüngeren geht
      es schließlich auch an. Sie wird es noch viel schlimmer treffen als die
      heutigen Rentner. Nur gemeinsam sind wir stark !

  14. Jeder von uns kann eine Petition an den Petitionsausschuss des Bundestages senden
    und erhält auch eine Antwort. Stellt Euch einmal die Freude vor, wenn 10000
    (zehntausend) Petitionen ziemlich gleichzeitig ankommen und sinngemäß den selben Inhalt haben. Die Adresse ist: https://epetitionen.bundestag.de oderPostanschrift:
    Platz der Republik 1
    11011 Berlin
    Petitionsausschuss

  15. Das Geld für mehr soziale Gerechtigkeit ist da. Was fehlt, ist der politische Wille zur Veränderung.
    Von Bürger- oder Erwerbstätigenversicherung: kein Wort, weder bei der Rente noch bei der Gesundheit.

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